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Mitgefühl als Weg – was wir von der Gewaltfreien Kommunikation für die Arbeit mit Hunden lernen können

Blogbeitrag von Katja Krauß (HUNDGESTÜTZT Dozentin, Tellington TTouch Instruktorin, Tiertrainerin, Buchautorin)

Vor einiger Zeit habe ich an einem sehr inspirierenden Online-Workshop zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK) teilgenommen. Der Titel lautete „Mitgefühl als Weg“ von Thom Bond. Dieser Name hat mich damals besonders beschäftigt, denn bis dahin hatte ich GFK vor allem als eine Kommunikationsform verstanden: eine Möglichkeit, Konflikte zu lösen, Missverständnisse zu vermeiden und schwierige Situationen besser zu meistern.
Während dieses Kurses wurde mir bewusst, dass hinter der Gewaltfreien Kommunikation noch viel mehr steckt. Es geht nicht nur darum, Worte anders zu wählen – es geht um eine innere Haltung. Wenn Mitgefühl die Grundlage unseres Handelns ist, verändert sich unser Blick auf unser Gegenüber grundlegend. Wir beginnen nicht mehr, Verhalten zu bewerten oder zu korrigieren, sondern versuchen zunächst zu verstehen.
Genau diese Haltung ist auch für die Arbeit mit Hunden und insbesondere für hundegestützte Interventionen von großer Bedeutung.Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg basiert auf vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte beziehungsweise Strategie. Dabei geht es immer darum, die Perspektive aller Beteiligten wahrzunehmen und nicht nur die eigene Sichtweise als Maßstab zu nehmen.
Auch in der Arbeit mit Hunden beginnt vieles mit einer möglichst neutralen Beobachtung. Erst wenn wir genau hinschauen, können wir verstehen, was ein Hund uns durch seine Körpersprache mitteilt. Welche Emotion könnte hinter einem Verhalten stehen? Welches Bedürfnis steckt möglicherweise dahinter? Und welche Unterstützung kann ich anbieten?
Ein Beispiel aus der Praxis:Ich war mit Dora, einer jungen Labradorhündin, auf einem sehr belebten Bahnsteig. In wenigen Metern Entfernung passierte ein anderer Hund unsere Position. (Das Video dazu findest du weiter unten.)Dora stand auf und begann zu bellen. Zuvor hatte sie gesessen. Ihre Rute wurde sehr tief getragen und bewegte sich schnell mit großer Wedelamplitude. Ihre Ohren lagen nach hinten, und ihr Blick wechselte immer wieder zwischen mir und dem anderen Hund.
Wenn ich nur das sichtbare Verhalten betrachtet hätte, hätte ich sagen können: „Dora bellt einen anderen Hund an.“ Doch die genauere Beobachtung erzählte eine andere Geschichte. Für mich zeigte sich ein Hund, der in dieser aufregenden Umgebung möglicherweise Unterstützung brauchte. Es ging nicht darum, das Bellen einfach zu unterbrechen, sondern darum herauszufinden, was Dora in diesem Moment helfen konnte.
Ich entschied mich dafür, ihr ein Tellington-Stirn-Körperband anzulegen. Diese Körperbänder können Hunden dabei helfen, sich bewusster wahrzunehmen und mehr innere Stabilität zu entwickeln. Gerade in herausfordernden Situationen kann eine bessere Selbstwahrnehmung dazu beitragen, dass ein Hund nicht ausschließlich auf äußere Reize reagiert.Kurz darauf passierte erneut ein Hund unseren Weg – und diesmal konnte Dora die Begegnung deutlich entspannter meistern.
Dieses Beispiel zeigt für mich sehr schön, was passieren kann, wenn wir Verhalten nicht als Problem betrachten, sondern als Ausdruck eines Bedürfnisses. Wenn wir mit Mitgefühl schauen, entstehen neue Möglichkeiten für Verbindung, Vertrauen und gemeinsames Lernen.Gerade in der hundegestützten Arbeit ist diese Haltung eine wichtige Grundlage: Nicht der Wunsch, ein Verhalten schnell zu verändern, steht im Mittelpunkt, sondern das Verständnis für das Individuum und die Frage:
Was braucht dieser Hund gerade, damit er sich sicher und wohl fühlen kann?
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Ausflug an den See mit Kind und Hund – Warum nicht jeder Hund alles mitmachen muss

Hundgestützte Pädagogik im Kindergarten – Praxisbericht mit Golden Retriever-Hündin Rani

Blogbeitrag von Lina Grobecker (HUNDGESTÜTZT Dozentin, Erziehungswissenschaft MA, Coach, ttouch-n-click Hundetrainerin)

Ein Ausflug an den See gehört für uns im Sommer einfach dazu. Mit dabei sind meistens meine Kinder und meine Labradorhündin Yuna. Doch obwohl ich zwei Hunde habe, bleibt einer ganz bewusst zu Hause: Willi, mein Hund aus Rumänien.

Warum? Weil ich weiß, dass die vielen Hundebegegnungen am See für ihn puren Stress bedeuten würden. Willi fühlt sich in ruhigen, überschaubaren Situationen wohl. Viele fremde Hunde, Menschen und die damit verbundene Unruhe sind für ihn keine Erholung. Deshalb bekommt er an solchen Tagen lieber einen entspannten Spaziergang in seiner vertrauten Umgebung. Für ihn ist das die bessere Entscheidung.

Yuna hingegen ist das genaue Gegenteil. Sie liebt den Kontakt zu anderen Hunden und begegnet ihnen freundlich und gelassen. Trotzdem bedeutet das nicht, dass jeder Hund automatisch begrüßt werden muss. Gerade in der tiergestützten Intervention lernen wir immer wieder, wie wichtig es ist, die Signale unserer Tiere wahrzunehmen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Ein Hund ist kein Freizeitprogramm – er ist ein Individuum mit eigenen Grenzen, Vorlieben und einer ganz eigenen Persönlichkeit.

Und weißt du was? Das gilt eigentlich auch für Kinder. Manche lieben das bunte Treiben am See, knüpfen sofort Kontakte und genießen jede neue Begegnung. Andere brauchen mehr Ruhe, beobachten lieber erst einmal oder ziehen sich zwischendurch zurück. Beides ist völlig in Ordnung.

Nutze Hundebegegnungen als kleine Lernmomente. Frag dein Kind: Wie wirkt der Hund? Läuft er locker oder eher angespannt? Sucht er Kontakt oder hält er lieber Abstand? So entwickelt dein Kind nach und nach ein Gespür für die Körpersprache von Hunden und lernt, dass Respekt immer bedeutet, das Gegenüber wahrzunehmen – egal ob Mensch oder Tier.

Spielidee: Hunde-Detektive

Werdet gemeinsam zu Hunde-Detektiven. Beobachtet einen Hund aus angemessener Entfernung und überlegt:

  • Wie bewegt er sich?
  • Wie trägt er seine Rute/Kopf, Ohrhaltung?
  • Möchte er Kontakt oder lieber seine Ruhe?

Anschließend besprecht ihr eure Beobachtungen. Dieses kleine Spiel fördert Aufmerksamkeit, Empathie und Perspektivwechsel – Fähigkeiten, die sowohl im Alltag als auch in der tiergestützten Intervention von großer Bedeutung sind.

Für mich beginnt Tierwohl genau hier: Nicht jeder Hund muss überall dabei sein. Und übrigens auch nicht jedes Kind. Manchmal tut es einfach gut, einen Schritt zurückzutreten, Reize zu reduzieren und die Bedürfnisse des Einzelnen in den Mittelpunkt zu stellen. Denn echte Teilhabe bedeutet nicht, immer dabei zu sein – sondern dort zu sein, wo man sich wohlfühlt.

Wenn wir lernen, die Bedürfnisse unserer Hunde genauso ernst zu nehmen wie die unserer Kinder, schaffen wir die Grundlage für ein respektvolles Miteinander. Genau das ist für mich einer der wertvollsten Gedanken der tiergestützten Intervention.

Wer sich näher mit der Hundesprache und Emotionen bei Hunden beschäftigen möchte, schaue einmal in Katjas Workbook – das liest sich auch draußen gut auf einer Picknickdecke.


NEU: HUNDGESTÜTZT Sonderzertifikatslehrgänge

Du setzt deinen Hund schon länger ein und möchtest nun eine Ausbildung/Prüfung machen, um auf der sicherern Seite zu sein, dann schau dir unsere neuen Sonder-zertifikatslergänge an.


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Menschenbegegnungen mit Mokka

Blogbeitrag Simone Lenzen (HUNDGESTÜTZT Absolventin, Fachtherapeutin für kognitives Training nach Stengel und Heilpraktikerin für Psychotherapie) und Mischlingshündin Mokka 

 Seltsame Überschrift, oder? Meistens geht es in Artikeln oder YouTube-Filmen um Hundebegegnungen, die mal mehr und mal weniger glücken – „Hunde sind auch nur Menschen“ mit spontanen Zu- oder Abneigungen, nicht wahr?​

Mir geht es heute um einen Aspekt oder ein Ergebnis unserer hundgestützt-Ausbildung, den ich so gar nicht im Blick hatte und der mir erst nach und nach so richtig bewusst wird.​

Ich meine Begegnungen mit Menschen, die beim Anblick von Mokka erzählen, dass sie Angst vor Hunden haben. Früher wäre ich schnell weitergegangen oder ausgewichen, heute nehme ich mir Zeit; interessanterweise sind die Menschen nämlich gleichwohl daran interessiert, mit Mokka und mir in Austausch zu kommen.​

So wie neulich in der Bahn: eine ältere Dame wollte an derselben Station aussteigen wie wir und schaute immer wieder unruhig zu Mokka. Ich achtete darauf, dass ich zwischen Mokka und ihr stand und wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte von unserer Ausbildung und Mokkas Einsätzen in der Grundschule und bei den Senior:innen. Mokka, die vor dem Aussteigen eigentlich immer etwas aufgeregt ist, war ganz ruhig an meiner Seite. Nach einiger Zeit sagte die Dame, sie sei ganz erstaunt, weil ihre Ängstlichkeit sich gelegt hätte. Es war nun nicht so, dass sie gleich mit Mokka kuscheln wollte, aber sie konnte ganz ruhig mit uns aussteigen. Das Ganze hat vielleicht fünf Minuten gedauert und in dieser Zeit konnten wir ihr verbal (ich) und nonverbal (Mokka) für einen Moment lang eine unbeschwerte Hund-Menschenbegegnung ermöglichen.​

Ein anderes Beispiel möchte ich noch erzählen, weil es mich so gefreut hat: Im Urlaub hatten wir ein älteres Ehepaar getroffen, deren Hund verstorben war und die glücklich mit Mokka „herumtüdelten“ – allein das schon, dass sie wildfremden Menschen gegenüber so offen ist und sich sogar erkennbar über deren Zuneigung freut, lässt mein Herz höherschlagen. Nun traf ich die Frau also an einem anderen Tag mit einer anderen Dame, die gleich ausrief, dass sie Angst vor Hunden habe und erzählte, wie sie als Kind erlebte, dass ihre Schwester gebissen wurde. Das habe sie nie überwunden. Ich fragte nach und hörte, wie sie im Leben immer wieder in Situationen kam, wo Hundehalter:innen ihr Schutzbedürfnis und ihr Bedürfnis nach Abstand schlicht ignorierten. Wiederum erzählte ich von Mokka und mir und wiederum war Mokka ganz ruhig bei mir. Insgesamt dauerte unsere Begegnung vielleicht 6 – 8 Minuten und erneut kam die Rückmeldung, dass sich die Angst verringert hätte, und die Dame bedankte sich für eine für sie entspannte und entspannende Hund-Menschenbegegnung.

​Durch unsere HUNDGESTÜTZT-Ausbildung habe ich gelernt, nicht nur achtsam für Mokkas Bedürfnisse zu sein, sondern auch achtsam für unser Umfeld. Ich bin davon überzeugt, dass es einen doppelten Effekt gibt: Menschen können sich in ihrer Gegenwart entspannen und für Mokka ist es so viel entspannter, Menschen zu begegnen.


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Mit Ylva auf Kinderladenreise

Blogbeitrag von Nathalie Kommoß (HUNDGESTÜTZT Absolventin, Integrationserzieherin) & Ylva, Labbi Boxermix

Wie jedes Jahr fahre ich mit den Kindern und Ylva für fünf Tage auf Kinderladenreise auf einen Gutshof in Brandenburg.

Für die Kinder ist es jedes Mal ein großes Abenteuer. Schon die Zugfahrt, das Ankommen, die Tiere, die weiten Wiesen und die Freiheit des Landlebens sorgen für Aufregung und Vorfreude. Und mitten in all diesem bunten, lauten und lebendigen Geschehen ist Ylva.

Zwölf Kinder zwischen zwei und sechs Jahren begleiten mich durch diese Tage. Zwölf kleine Menschen mit unendlich vielen Fragen und einem Bewegungsdrang, der kaum Grenzen kennt.

Und Ylva?

Ylva läuft einfach mit.

Sie braucht keine Signale, keine Erinnerungen, keine Korrekturen. Sie läuft neben mir wie mein Schatten, als hätte sie längst verstanden, dass ich in diesen Tagen nur wenig Zeit für sie habe. Fast so, als würde sie denken: „Mach du nur, ich vertraue dir.“

Und genau das berührt mich jedes Jahr aufs Neue.

Denn natürlich begleitet mich auch das schlechte Gewissen. Bekommt sie genug Ruhe? Übersehe ich Momente, in denen sie meine Unterstützung braucht? Werden die Kinder ihr manchmal zu nah? Verlange ich ihr zu viel ab?

Während ich darüber nachdenke, begegnet sie Hühnern, Pferden, Eseln und Schafen – Tieren, die in ihrem Berliner Alltag kaum eine Rolle spielen. Sie begleitet die Ausritte in respektvollem Abstand, läuft gelassen hinter dem Traktor her, auf dem wir umher kutschiert werden und der  laut knatternd über den Hof tuckert, und bewegt sich durch all das mit einer Selbstverständlichkeit, die mich staunen lässt.

Sie macht einfach mit.

Nicht widerwillig. Nicht gestresst.

Sondern mit Ruhe und Vertrauen.

Vielleicht, denke ich dann, ist genau das ihr Glück.

Den ganzen Tag draußen sein. Die Menschen um sich haben, die sie liebt. Immer mitten dabei sein. Ein Kind wirft ihr zwischendurch mal ihren Ball, ein anderes streicht ihr im Vorbeigehen liebevoll über den Rücken, das nächste lehnt sich kurz an sie.

Vielleicht ist das für sie viel wertvoller als jeder durchgeplante Beschäftigungsplan. Jeder durchdachte Parcour, jedes sorgsam vorbereitete Denkspiel.

Und dann frage ich mich, ob wir  uns manchmal nicht zu viele Gedanken darüber machen, ob unsere Hunde genug ausgelastet werden. Noch ein Denkspiel, noch ein Training, noch ein Parcours, noch eine Aufgabe.

Vielleicht vergessen wir dabei manchmal, dass Hundsein auch einfach bedeuten darf, dabei zu sein.

Zu beobachten.

Zu schnüffeln.

Zu ruhen.

Mein Fazit aus diesen Tagen ist deshalb jedes Jahr dasselbe:

Ja, Beschäftigung und Auslastung haben ihren Platz, besonders im Alltag einer Großstadt. Aber mindestens genauso wichtig ist es, unseren Hunden zu vertrauen und ihnen zuzugestehen, einfach Hund zu sein.

Und dieses Vertrauen habe ich in Ylva.

Uneingeschränkt.

Im Großen und Ganzen freue ich mich schon jetzt auf das nächste Jahr.

Und ich glaube, Ylva tut das auch.

Denn U-Bahn fahren wir sonst nie. Nur dieses eine Mal im Jahr fahren wir gemeinsam zur Friedrichstraße, um dort die Regionalbahn nach Neustadt zu nehmen.

Und jedes Mal nach unserer Rückkehr bleibt Ylva an den Eingängen zur U-Bahn stehen und möchte wieder hinein.

Als würde sie fragen:

„Wann fahren wir wieder los?“ 


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Wenn Pfoten Trost spenden: Tiergestützte Trauerbegleitung

Aura beim Kuscheln

Blogbeitrag Tina Walter-Stetefeld (HUNDGESTÜTZT Teilnehmerin, Logopädin und Inhaberin einer Praxis für Logopädie & Ergotherapie) mit den Huskydamen Eska & Aura

In der therapeutischen Arbeit begleite ich Menschen oft über sehr intensive Zeiträume hinweg. Besonders bei Diagnosen wie ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) erleben wir häufig einen erschreckend schnellen Krankheitsverlauf, der kaum Raum lässt, das Geschehene zu verarbeiten. In einer solchen Situation stellt sich oft die Frage: Wie können wir die Angehörigen auffangen, wenn die Stille nach dem Abschied einkehrt?

Während der gesamten Behandlungszeit war die Situation in der Familie klar verteilt: Der Patient selbst war ein Mensch, der zeitlebens mit Tieren schlichtweg nichts anfangen konnte. Er war skeptisch gegenüber dem „besten Freund des Menschen“ und hielt Tiere eher auf Distanz.

Ganz anders verhielt es sich bei seiner Frau und seiner Tochter. Beide sind absolut hundeverliebt und fanden in der bloßen Erzählung über meine Arbeit oft einen Moment der Ablenkung. Doch solange der Patient zu Hause gepflegt wurde, blieben meine Hunde, aus Respekt, natürlich fern.

Nachdem der Patient verstorben war, entstand eine neue Dynamik. Die Frau und die Tochter standen nun vor der Herausforderung, den schnellen Verlust zu begreifen. Da ich wusste, wie sehr die beiden Tiere lieben, entschied ich mich für einen besonderen Schritt: Ich stattete der Familie einen Kondolenzbesuch ab und diesmal nahm ich Aura mit.

Es war das erste Mal, dass meine vierbeinige Begleitung dieses Haus betrat. Was folgte, war ein zutiefst bewegender Moment.

Obwohl der Verstorbene selbst keine Bindung zu Hunden hatte, wurde das Tier für die Hinterbliebenen sofort zu einem zentralen Ankerpunkt in ihrer Trauer:

  • Emotionale Entladung: Die Tochter und die Mutter konnten sich dem Hund gegenüber sofort öffnen. Das weiche Fell und die ruhige Präsenz des Tieres halfen dabei, den angestauten Stress der letzten Wochen abfließen zu lassen.
  • Trost ohne Worte: In einem Haus, das sich nach einem langen Kampf gegen ALS oft leer anfühlt, brachte der Hund eine sanfte Lebendigkeit mit, die keine Erklärungen forderte.
  • Ein sicherer Raum: Der Hund bewertete die Situation nicht. Er war einfach da, ließ sich streicheln und bot physische Nähe in einer Zeit der emotionalen Kälte.

Aura lag zu den Füßen der Ehefrau, während wir gemeinsam die letzten Wochen Revue passieren ließen. Alleine die Nähe empfand die Ehefrau als angenehm und warmherzig. Sie bedankte sich mehrfach für den Besuch. Als ich das Haus verließ, tat ich dies mit dem Wissen, den Angehörigen in einer dunklen Zeit ein kleines Lächeln geschenkt zu haben. 

Den Blick auf die Hinterbliebenen richten

Dieser Besuch hat mir gezeigt, dass tiergestützte Trauerbegleitung nicht immer auf einer vorangegangenen Beziehung zwischen Patient und Tier basieren muss. Manchmal ist der Hund genau das richtige Werkzeug, um den Angehörigen in ihrer schwersten Stunde ein Stück Wärme zurückzugeben. Auch wenn der geliebte Mensch, um den getrauert wird, wohl nur schmunzelnd den Kopf geschüttelt hätte.

Es geht darum, dort Hilfe anzubieten, wo sie gebraucht wird. Und für diese Familie war die feuchte Nase und das ruhige Wesen Auras in diesem Moment genau das Richtige.


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Momente der Magie

Yoda schaut den Bewohner an

Blogbeitrag von Katharina Grubert (HUNDGESTÜTZT Absolventin, Pflegepädagogin) und Retromops Yoda

Ich liebe Märchen. Geschichten voller Fabelwesen, Hoffnung und Träume. Geschichten, in denen das Gute siegt und Heldinnen und Helden das Böse überwinden. Vielleicht trägt mein Hund deshalb den Namen Yoda – inspiriert vom Science-Fiction-Märchen Star Wars. Dass „Yoda“ im Hindi „der Krieger“ bedeutet, habe ich einmal von einem indischen Pfleger erfahren.

Und doch weiß ich: Das echte Leben folgt selten den Regeln eines Märchens. Krankheit und Demenz lassen sich nicht wegzaubern. Sie treffen Menschen unabhängig davon, wie gut oder stark sie sind. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – gibt es sie: diese kleinen Momente der Magie. Einer davon begegnete mir bei meinem letzten Besuch in der Demenz-WG.

Es ist ein sonniger Tag, als ich die Wohnküche betrete. Kaum fällt der erste Blick auf Yoda, beginnen mehrere Bewohner zu lächeln. Stimmen werden laut, sie rufen nach ihm. Der Raum verändert sich spürbar – er füllt sich mit Vorfreude. Yoda genießt diese Aufmerksamkeit. Er liebt es, im Mittelpunkt zu stehen, bewegt sich von Mensch zu Mensch, verteilt Nähe und zaubert Lächeln. Und wenn es ihm einmal zu viel wird, unterstütze ich ihn.

Ich setze mich zu einer Bewohnerin, die uns gleich zu Beginn gerufen hat. Sie beginnt zu singen – für Yoda. Er reagiert sofort, tänzelt verspielt zwischen ihren Beinen. Sie vergisst unsere Namen immer wieder. Aber das spielt in diesem Moment keine Rolle. Was bleibt, ist Freude. Ein echter, unverfälschter Augenblick.

Während wir dort sitzen, nähert sich ein Bewohner im Rollstuhl. Seine Stimme überrascht mich, ich hatte ihn nicht kommen hören. Er erzählt, dass er schon eine Weile auf uns gewartet hat. Mit sichtbarem Stolz zeigt er mir ein Foto seines Sohnes und dessen Familie, das er kürzlich erhalten hat. Dieser Moment berührt mich besonders. Denn ich weiß: Solche Augenblicke sind für ihn selten. Viel lieber wäre er noch in seiner eigenen Wohnung als hier in der WG.

Seit mehreren Jahren lebt er nun hier. Und oft habe ich das Gefühl, dass er vor allem eines vermisst: seine Selbstständigkeit. Wenn Yoda und ich da sind, entsteht Raum. Raum für Gedanken, für Erinnerungen, für das, was ihn bewegt. Es geht nicht darum, jedes Wort zu verstehen oder Lösungen zu finden. Es geht darum, da zu sein – ohne Bewertung.

Yoda macht genau das auf seine ganz eigene Weise. Er begegnet Menschen ohne Vorbehalt. So, wie sie sind. Der Bewohner liebt Hunde. Früher hatte er selbst welche. Er zeigt mir Fotos, spricht darüber – und füttert Yoda mit sichtbarer Freude. Schließlich legt sich Yoda ruhig zu uns, als würde er zuhören.

Es sind diese leisen, unscheinbaren Momente, die etwas Besonderes tragen. Augenblicke, die gleichzeitig alltäglich und doch kostbar sind. Am Ende unseres Besuchs kehren wir noch einmal zu der singenden Frau zurück. Wir verabschieden uns. Und genau in diesem Moment wird mir klar: Das Leben ist vielleicht kein Märchen. Aber es schenkt uns dennoch Magie – in Form von Begegnung, Nähe und echter Verbundenheit.


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Bommel als Brücke zum Mund

Blogbeitrag von Diana Mehnert (HUNDGESTÜTZT Absolventin, Logopädin, ShiatsuPraktikerin) & Pudel Bommel

Ich arbeite mit einem kleinen Kind bei dem Luft – und Speiseröhre zusammen gewachsen sind.


Etliche Operationen waren notwendig, viele werden noch folgen. Die Kleine hat ihr Gesicht, den Hals und ihren Mundraum bisher nicht positiv wahrnehmen können. Zum großen Teil bestanden Berührungen in diesem intimen und hoch sensiblen Bereich aus lebenserhaltenden Manipulationen: Schleim und Erbrochenes absaugen, Sauerstoffzufuhr über eine Trachealkanüle ( Dauerkanüle im Hals ), Gabe von Nahrung und Flüssigkeit über eine Magensonde, welche durch die Nase gelegt wurde. Oft ist es so das kleinste / zarteste Berührungen in der Nähe des Gesichts schon Erbrechen auslösen. Sie ist interessiert wenn andere essen, sich selbst hat sie aber noch nie etwas in den Mund gesteckt. Ich habe mich mehrere Wochen über vorsichtige Berührungen an den Füßen, Beinen, Rücken, Armen, Brustkorb bis zum Hals-, Kopf-, Gesichtsbereich herangetastet, mit dem Ziel den Gesichts- und Mundbereich zu desensibilisieren, um Mundpflege und orale Nahrungsaufnahme zu ermöglichen.


Dabei ist Bommel eine große Hilfe geworden. Das Kind mag Bommel sehr, führt ihn in der Wohnung an der Leine durch die Zimmer, zeigt ihm Bücher und Spielzeug. Anfangs wollte sie ihn nicht anfassen, mittlerweile streichelt sie ihn ausgiebig und betrachtet sehr gern sein Gesicht, seine Nase und seine Augen, wenn er dort auf dem Sofa, seinem Lieblingsplatz, liegt und sie nah an ihm ist.


Bommel mag keine Berührungen von Fremden im Gesicht. Dies zeigt er sehr deutlich.


Er dreht sich dann weg oder versteckt sein Gesicht bei mir. So konnte sie sehen welche Berührungen Bommel zuläßt und welche er nicht mag.


Wir haben es besprochen und dann vorsichtig probiert. Stellen die er nicht mag, berühren wir auch nicht.


Manche Stellen darf nur ich berühren. An die Ohren darf auch das Mädchen.

Ich glaube über diese Akzeptanz seiner Abneigung vor bestimmtem Berührungen und dem Respekt ihm gegenüber durfte auch ich mich nach und nach ihrem Gesicht und mittlerweile auch Mundbereich nähern. Wir streicheln Bommel mit verschiedenen Materialien über die Ohren, mit den Fingern, mit oder ohne Gummihandschuhe an, mit Fingerzahnbürsten, mit einer richtigen Zahnbürste und an den Stellen wo sie Bommel Berührungen von ihr zulässt, darf auch ich sie mittlerweile berühren.
Danke mein Bommel  


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Positives Denken und positive Verstärkung lassen Wunder wahr werden

Blogbeitrag von Katja Krauß (HUNDGESTÜTZT Dozentin, Tellington TTouch Instruktorin, Tiertrainerin, Buchautorin)

Positiv zu denken und vor allem positiv zu bestärken, stellt für viele Menschen eine echte Herausforderung dar. Der erste Schritt besteht darin, überhaupt wahrzunehmen, was bereits gut läuft – statt automatisch den Fokus auf Fehler oder unerwünschtes Verhalten zu richten.

Wenn ich Kunden habe, die daran arbeiten wollen, dass ihr Hund an lockerer Leine mit ihnen läuft, dann beginne ich damit, ihnen zu erklären, dass sie den Hund ab sofort dafür stimmlich belohnen sollen, sobald er an lockerer Leine läuft.

Wenn die Halter dann mit den ersten Übungen beginnen, zeigt sich meist schnell, dass genau dieser positive Moment oft gar nicht von ihnen wahrgenommen wird. Denn nicht nur der Hund hat seit langer Zeit den Zug auf der Leine gespürt – sondern auch die Menschen sind in ihren Reaktionsmustern festgefahren. Es braucht häufig einiges an Konzentration, um wirklich konsequent jeden kleinen Fortschritt sofort wahrzunehmen und möglichst auch zu wertschätzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fähigkeit, wahrzunehmen, wann gerade nicht das gewünschte Verhalten gezeigt wird. Ein typisches Beispiel sind Hunde, die überwiegend an gespannter Leine geführt werden. Viele Halter wünschen sich, dass ihr Hund locker an der Leine läuft, bemerken jedoch im Alltag nicht, dass sie häufig selber diejenigen sind, die an der Leine ziehen.

In Trainingssituationen wird dann oft erklärt, dass der Hund „stehen bleiben soll, um an lockerer Leine laufen zu lernen“. Damit konzentriert sich der Halter genau auf das unerwünschte Verhalten, denn dann soll er schließlich stehen bleiben. Außerdem wird dabei leicht übersehen, dass reines Stehenbleiben noch nichts mit dem eigentlichen Bewegungsablauf des Leinengehens zu tun hat. Es ist ein bisschen so, als würde das Fahrradfahren gelernt werden, indem ich irgendwo mit meinem Fahrrad herumstehe.

Viel entscheidender ist das schrittweise Üben in Bewegung: Tellington-Balance-Leine, Tellington-Harmonie-Leine und Tellington-begegnen-und-schmelzen sind hier oft der Schlüssel zum Erfolg, denn damit wird dem Hund beim Gehen an der Leine geholfen, wieder in seine Balance zu finden und der Halter konzentriert sich auf das gewünschte Verhalten.

Grundsätzlich wird dieser Prozess deutlich leichter, wenn es gelingt, positiv zu denken. Das ist verständlicherweise schwer, weil das Gehirn über lange Zeit andere Erfahrungen abgespeichert hat. Dennoch kann es einen großen Unterschied machen, den Alltag bewusst so zu gestalten, wie er sich gewünscht wird.

Zum Beispiel lässt sich abends vor dem Einschlafen eine konkrete Situation vorstellen: Der Hund läuft an lockerer Leine an anderen Hunden vorbei. Auch wenn solche Vorstellungen zunächst simpel oder wenig relevant wirken, nutzen sie die Fähigkeit des Gehirns, sich durch innere Bilder auf Situationen einzustellen und eigene neue Reaktionsmuster zu erleichtern.

Ich habe vor kurzem selbst erlebt, wie stark solche inneren Bilder wirken können. Seit einiger Zeit beschäftigte mich der Gedanke, eine Golden-Retriever-Hündin aufzunehmen. Je genauer ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir allerdings, dass mein „idealer Hund“ in vielen Punkten fast nur geschnitzt sein könnte: freundlich zu allem Lebendigen, jung, aber gesund ausgewachsen, sportlich und gleichzeitig entspannt im Alltag, eher dunkel im Fellton und mit einem eher kompakten Körperbau.

Je klarer dieses Bild wurde, desto überraschender war die Nachricht, die mich vor zwei Tagen per Whatsapp erreichte: Eine mir unbekannte Frau hatte sich getrennt und konnte ihren jungen Golden Retriever nicht behalten. Sie suchte schnellstmöglich ein neues Zuhause. Als ich das Foto sah, hatte ich sofort das Gefühl, dass dieser Hund exakt meinen Überlegungen entsprach.

Heute lebt sie seit zwei Tagen bei uns. Sie ist offen im Umgang mit Hunden, Katzen, Menschen und anderen Tieren und augenscheinlich gesund. Ich habe sie „Runa“ genannt – weil sie auf mich wirkt wie ein kleines Zauberwesen.


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